Bridgerton Band 5
In Liebe Ihre Eloise
Lange ist es hier ruhig geblieben, was daran lag, dass der fünfte Band der Bridgerton-Reihe in seiner Neuauflage, erst seit einigen Tagen in meinem Besitz ist. Ich habe das Buch jetzt noch einmal gelesen und los geht es:

Julia Quinn: "In Liebe Ihre Eloise"
Eloise Bridgerton kann sich den Luxus leisten, Heiratsanträge abzulehnen, und das tat sie auch. Finanziell ist die nicht mehr ganz so junge Frau abgesichert, sie weiß sich der Fürsorge ihrer Brüder sicher und sie weiß, dass sie genau das will, was ihre drei älteren Brüder und bereits zwei ihrer Schwestern auch haben: Sie will nur aus Liebe heiraten. Dieser Wunsch ist allen Bridgertons gemein. Bislang vermisste sie auch nichts, schließlich war sie davon ausgegangen, gemeinsam mit ihrer besten Freundin Penelope Featherington ein Cottage zu bewohnen und ihr Leben als alte Jungfer zu beschließen. Penelopes Heirat mit Colin Bridgerton macht dieser Zukunft einen Strich durch die Rechnung. Selbstverständlich freut sich Eloise für die Freundin, doch ein kleiner Stich Eifersucht ist schon da.
Sie sehnt sich im Grunde ihres Herzens nach einer Familie und nach Geborgenheit in den Armen eines Mannes. Mit Sir Phillip Crane verbindet sie anfangs nichts. Sie kennen einander nicht einmal, doch Eloises Hobby ist das Schreiben von Briefen. Sie schreibt an alle und jeden, so auch an Sir Phillip Crane, der eigentlich nur der Ehemann einer gerade verstorbenen entfernten Cousine ist. Sie kondoliert und aus diesem ersten Brief entwickelt sich eine längere Brieffreundschaft. Sir Phillip nun ist – was Eloise nicht weiß – auf der Suche nach einer ruhigen Frau, gesetzteren Alters, die er heiraten kann, um seinen “teuflischen” Zwillingen eine neue Mutter zu geben. Eloise scheint die geeignete Kandidatin. Sie ist, so stellt er sie sich vor, nicht sehr hübsch und bereits auf dem besten Weg eine alter Jungfer zu werden. Er glaubt, sie werde sein Angebot mit Freuden annehmen, denn wenn selbst das Vermögen der Bridgertons ihr keinen Ehegatten beschert, muss sie sich ja freuen, wenn er sich ihrer erbarmt.
Allerdings hat Sir Phillip nicht mit dem hübschen überraschenden Besuch gerechnet, den Eloise ihm macht. Sie ist von Zuhause ausgerissen, um endlich zu wissen, was sie will und ob Sir Phillip vielleicht ein geeigneter Partner für die Zukunft ist. Sie entspricht ganz und gar nicht seinen Vorstellungen. Keineswegs hässlich und weit davon entfernt eine alte Jungfer zu sein, keineswegs ruhig, sondern aufgeweckt, intelligent und sehr sehr spitzzüngig, steht die junge Frau vor seiner Haustür. Doch auch er ist nicht das, was sie sich unter ihm vorgestellt hat, denn er ist Vater, das hat er ihr verschwiegen.
Die Kinder sind nicht sehr angetan von der potentiellen neuen Mutter und nach einigen Tagen stehen auch noch alle Brüder vor Sir Phillip. Selbst Gregory Bridgerton ist gekommen, obwohl er in Eloises Augen noch ein Wickelkind ist. Dass es vier an der Zahl sind und drei von ihnen sehr sehr hoch aufgeschossen und auch noch kräftig und zu allen Untaten entschlossen, um die Ehre ihrer Schwester zu verteidigen, das hat Eloise ihm verschwiegen. Anthony, Benedict und Colin sind zu allem entschlossen und Anthony lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass eine Heirat das einzige ist, was für ihn eine akzeptable Lösung ist.
In diesem Buch nimmt Julia Quinn eine zentrale Frage ins Zentrum, die heute eigentlich an der Tagesordnung steht: Blind Date und “Liebe” in Zeiten von E-Mail, in diesem Fall Schriftverkehr. Kennt man eine andere Person, nur weil man mit ihr eine ausgedehnte Korrespondenz betrieben hat? Sowohl Eloise als auch Sir Phillip lernen, dass sie nicht alles über den anderen wissen und auch die Vorstellungen, die einer von anderen hat, stimmen nicht mit der Realität überein. Eloise geht ein schweres Risiko ein. Was wäre gewesen, wenn Sir Phillip ihr – was durchaus hätte geschehen können – etwas angetan hätte? Für eine erwachsene Frau verhält sie sich sehr unvernünftig. Sicher.
Doch diesen tieferen Punkt außer Acht gelassen, hat Julia Quinn hier eine nette, süße Fortsetzung ihrer Bridgerton-Reihe. Leider fällt ja die in Buch vier demaskierte Lady Whistledown weg, doch Auszüge aus Eloise Briefen übernehmen die Kolumnen und der Leser lernt, was Eloise in den vergangenen Jahre so erlebt hat, mehr oder weniger.
Mit Humor und Spaß ist das Buch wieder gespickt. Die Interaktion Eloises mit den achtjährigen Zwillingen Sir Phillips sind sehr amüsant. Streiche werden gespielt und das nicht zu knapp. Die Kinder sind herzlich und keineswegs teuflisch, sondern fühlen sich lediglich eines: Vernachlässigt. Den Grund dafür erfährt der Leser erst recht spät. Ist der Vater wirklich lieblos? Dahinter steckt ein Geheimnis, das tief in seiner Vergangenheit liegt. Doch um dieses zu erfahren, gibt es nur eines: Buch lesen.
Ich werde nichts verraten.
Für die Liebhaber Sophie Becketts: Sie taucht wieder auf, schließlich wohnt Benedict ja nicht weit von Sir Phillip entfernt. Heureka. Es tat gut zu lesen, wie es in ihrer und Benedicts Ehe so läuft. Ein amüsanter Lesegenuss allemal, vor allem, wenn die Lektüre der ersten – sehr sehr fabelhaften – vier Bridgerton-Romane schon einige Zeit zurückliegt.
Bevelstoke Band 3
Ten things I love about you

"Julia Quinn: Ten Things I Love About You"
Amüsant, witzig, spritzig, so kennt man Julia Quinn und streckenweise bleibt sie dieser Linie in ihrem aktuellen Roman auch treu. Mit Humor, vor allem der selbstironischen Art, betrachtet sie nicht nur das eigene Genre, sondern stellt sie auch die Liebesgeschichte vor zwischen Sebastian Grey, der unter einem weiblichen Pseudonym wahre Bestsellerromane verfasst, und Annabelle Winslow, die junge Frau, die so fruchtbar ist, dass sie Vögel zum Singen bringt, wenn sie an ihnen vorbeigeht. Bei ihrem ersten Treffen weiß Sebastian nicht, dass Annabelle jene Frau ist, die sein alter Onkel heiraten möchte, um mit ihr einen Erben zu zeugen. Und einen Erben will er dringend haben, der was er nicht haben will, ist Sebastian Grey als künftigen Earl of Newbury, wenn er stirbt. Eher will er sterben, als dass das geschieht. Nettes kleines Paradoxon, wie Julia Quinn beim Schreiben selbst feststellt.
In diesem Buch passiert nicht viel. Eigentlich ist es nur eine ewiges Hin-und-Her, ob Annabelle nun doch den Earl heiratet oder dem Charme seines Neffen erliegt. Eigentlich ist sie diesem bereits erlegen, doch kann sie aus reiner “Selbstsucht” die Zukunft ihrer sieben Geschwister aufs Spiel setzen? Denn Fakt ist: Sie muss reich heiraten, um Mutter und Geschwister zu “retten”. Kurioserweise findet Annabelle in einem Roman der allgegenwärtigen Mrs. Sarah Gorley Parallelen zur eigenen Geschichte.
Nett und angenehm zu lesen ist das Buch allemal. Wieder offenbart Julia Quinn einen herrlichen Humor, doch leider ist Humor für ein gutes Buch nicht ausreichend. Es ist nett, mehr aber auch nicht. Doch was soll ein Buch in diesem Genre auch anderes sein, als angenehme Unterhaltungsliteratur? Es soll keinen Literaturpreis gewinnen, sondern unterhalten und unterhalten habe ich mich beim Lesen gefühlt. Fraglich ist allerdings, ob mein Bücherregal ein weiteres “Bevelstoke-Buch” verkraften kann.
Julia Quinn hat angekündigt, dass sie an einer Geschichte über die berüchtigte Smythe-Smith-Familie schreiben würde. Nun, warum nicht der Musik mit Humor begegnen? Ach, ich vergaß, Musik ist in dieser Familie ja eigentlich ein Fremdwort, das nicht verstanden wird. Es wäre sehr schön, wenn auch in dieser Geschichte wieder beliebte Charaktere wie Lady Danbury oder gar Violet Bridgerton auftauchen würden.
Bevelstoke Band 2 (Nachtrag)
What happens in London?
Es ist getan, ich habe es vor drei Tagen ausgelesen. Meine erste Begeisterung, über die ich bereits im vorherigen Artikel geschrieben habe, ist keine Begeisterung mehr, sondern eher ein schlichtes “Nett und lesenswert”. Dass Olivia und Harry sich am Ende haben, ist kein Geheimnis, selbst für jenen, der das Buch nicht gelesen hat oder noch lesen will. Schließlich ist bei Romanen dieses Genres nicht die Frage nach dem “Ob sich das Paar am Ende auch kriegt”, sondern nach dem “Wie das Paar sich am Ende kriegt” die entscheidende und ausschlaggebende. Ergo: Dass sich die beiden bekommen, war klar, nur das Wie war es nicht.
Das Wie war anders und beim ersten Lesen auch gänzlich neu und dennoch so neu auch wieder nicht. Niedlich und kurzweilig, jedoch die große Spannung kam nicht wirklich auf. Ich muss gestehen, es hat mich interessiert, jetzt beim zweiten Lesen, wie es Miss Butterworth und dem verrückten Baron ergeht.
Schließlich nimmt Julia Quinn ihr Genre damit selbst ein wenig auf die Schippe.
Weiter geht es im Reigen übrigens mit dem (unabhängigen) dritten Band “Ten Things I love about you”. Unabhängig deswegen, da die Bevelstokes offenbar nur am Rande eine Rolle spielen. Dennoch der dritte Band, da man die vorherigen schon gelesen haben sollte, um die Charaktere einschätzen und wiedererkennen zu können. So ist es schon wichtig, dass Sebastian Grey “Miss Butterworth and the Mad Baron” gelesen hat und dass er von der Existenz weiterer Romane ähnlichen Kalibers und Titels weiß. Nur mit dieser Information im Hinterkopf kann man als Insider gelten, der sich im Wissen zwischen den Helden und dem Autor befindet.
Das nächste Mal mehr zu Bevelstoke Band 3.
Bevelstoke Band 2
What happens in London?

"Julia Quinn: What happens in London?"
Auch dieses Buch habe ich das erste Mal im August des letzten Jahres gelesen. Und nun muss ich traurigerweise gestehen, dass es sich beim zweiten Mal lesen zieht. Es zieht sich in die Länge. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Erinnerung an diesen Roman noch zu frisch ist. Während ich mich an die Liebesgeschichte in Teil 1 nicht mehr genau erinnern konnte, ist diese hier recht frisch. Ein möglicher Grund für die Frische … Das Buch hat mir damals sehr sehr gut gefallen. Es war frisch, humorvoll, witzig und an einigen Stellen sogar etwas skurril. Es hat schon etwas, wenn ein russischer Prinz, ein Mitarbeiter des britischen Kriegsministerium und dessen smarter Cousin im Morgensalon einer Dame sitzen und sich gegenseitig einen Schnulzenroman vorlesen. Es hat schon etwas Skurriles, wenn die gestanden Herren, von denen zwei den dritten nicht leiden können und selbigen auch für gefährlich halten, den Abenteuern einer gewissen Miss Butterworth mit dem verrückten Baron lauschen, obwohl es eigentlich um die Zuneigung jener jungen Dame geht, in deren Morgensalon sich das ganze Szenario abspielt.
Der Beginn des Buches war – wie eigentlich bei allen Julia Quinn-Romanzen – gelungen. Einer der Haupthelden wird eingeführt und gleichzeitig wird der Leser mit dessen Problem vertraut gemacht. Bei Miss Miranda Cheever war es deren Mangel an Schönheit bzw. das Problem, welches die Gesellschaft mit einem Mangel an Schönheit hat. Der Held, den Julia Quinn in diesem Roman an den Anfang stellt, ist Sir Harry Valentine. Der hat eigentlich kein wirkliches Problem, sondern eher ein Trauma bestehend aus drei Episoden, die sich in seiner Kindheit zutrugen. Zum einen seine dominante russische Großmutter, die zwar mit einem Engländer verheiratet war, jedoch nur Dinge liebte, die russisch waren. Zum zweiten eine teilnahmslose Mutter, die sich mit allem und jedem abzufinden schien, solange sie dieses nicht aus ihrem alltäglichen Trott warf. Zum dritten einen trinkenden Vater, dessen Erbrochenes ihn bis zur seiner Zeit in der Armee begleitete. Harry, der alles tat, um von seinem peinlichen Vater und seiner kalten Mutter wegzukommen, macht in der Kavallerie mehr oder weniger Karriere und sich nach dem Krieg gegen Napoleon im Kriegsministerium unentbehrlich. Als Übersetzer russischer Dokumente ist er nicht zu ersetzen.
Der weibliche Hauptcharakter ist bereits aus Buch 1 bekannt: Lady Olivia Bevelstoke, die kein Blatt vor den Mund nimmt oder, um mit den Worten von Sir Harry zu sprechen: erst spricht und dann denkt. Sie ist direkt und sie hat Ansprüche. Sie gilt als verzogen und verwöhnt, was zum Teil der Wahrheit entspricht. Einer wunderschönen bezaubernden Frau wie ihr liegen die Männerherzen zu Füßen und erste tritt sie mit letzteren, zumindest kommt es in der Gesellschaft so herüber, dabei weiß Olivia nur, dass sie einfach auf der Suche nach dem Glück ist und nach dem richtigen. Als ein russischer Prinz in London auftaucht, der sich für Lady Olivia interessiert, setzt das Kriegsministerium Sir Harry auf Lady Olivia an, um sie aus Schwierigkeiten herauszuhalten. Denn man weiß ja nie, was ein Prinz so für Ideen hat. Will er sie heiraten oder will er sie ruinieren? Olivia stellt sich dieselben Fragen und ist nicht nur deswegen vor dem Prinzen auf der Hut. Problematisch wird das Ganze, da über den Prinzen auch noch das Gerücht kursiert, er sei ein verkappter Anhänger Napoleons, der auf St. Helena zwar sicher sitzt, doch die Gefahr einer Flucht ist allgegenwärtig.
Julia Quinn versucht hier ein wenig zeitgenössische Politik und vor allem einen historischen Bezug in eine niedliche Romanze zu bringen. Aspekte, die sie bei den Bridgertons und auch in Bevelstoke Band 1 versäumt hat. Ein nicht sehr gelungener Versuch. Entweder wird es nur am Rande erwähnt oder aber zu deutlich. Vielleicht sehe ich es auch nur überkritisch, da mir persönlich die Geschichte des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts sehr geläufig ist, zumindest die europäische.
Was ein absolutes Positivum an diesem Roman ist, Lady Olivia hat in dieser Geschichte endlich ein wenig mehr Profil. Sie war in Band 1 recht blass und irgendwie bringe ich es nicht auf die Reihe, beide Lady Olivias in einer Person zu sehen. Es scheinen zwei zu sein. Sir Harry ist ein direkter Mann, der es eigentlich hasst, unehrlich zu anderen zu sein, daher ist diese gesamte Bespitzelungsaffäre gar nichts für ihn. Er macht es dennoch.
Ausgesprochen treffend und sehr direkt sind die kleinen amüsanten Spitzen gegen das eigene Genre. Das hat Julia Quinn bereits in dem Buch “Mitternachtsdiamanten” geschafft, das eigene Genre ein wenig zu veräppelt. Das mag ich so an ihr. Sie nimmt weder sich, noch ihre Geschichten zu ernst.
Bald bin ich durch das Buch durch und dann kann ich mich auf ihre Neuerscheinung “Then Things I love about you” stürzen, kurz: Bevelstoke Band 3. Bis dahin.
Bevelstoke Band 1
The secret diaries of Miss Miranda Cheever

"Julia Quinn: "The secret Diaries of Miss Miranda Cheever"
Das erste Mal habe ich dieses Buch im August 2009 gelesen und fand es amüsant, jedoch mit Schwächen behaftet. Wie man hier gut lesen kann. Nachdem nun einige Zeit vergangen war und ich die alten Bücher von Julia Quinn hervorkramte, kam auch Miss Miranda wieder zum Vorschein. Ich hatte die Geschichte komplett vergessen und absolut keine Ahnung mehr, worum es bei der Story geht. Selbst mit Lesen des Prologs war die Erinnerung an die süße Geschichte nicht mehr da. So nach und nach kam sie jedoch, also die Erinnerung, nicht die Geschichte, und ich muss sagen, dass sie mir heute, nach dem zweiten Lesen, um Längen besser gefällt. Ich bin zwar nach wie vor der Überzeugung, dass Nigel Bevelstoke als 19jähriger mehr Reife an den Tag gelegt hat, als als 28jähriger und ich bin immer noch der Überzeugung, dass Miss Miranda einen kompletten Charakterbruch im Buch durchmacht, andererseits gelangt man bei Miranda durchaus über das Argument der Hormone zu dem Schluss, dass eine solche Veränderung möglich sein kann.
Bei Nigel sind es die schlechten Erfahrungen, die er gemacht hat, die ihn zum Misanthropen gemacht haben. Es kann immer wieder vorkommen, dann ein angenehmer Mensch durch einen weniger angenehmen Menschen zu einem noch unangenehmeren Menschen wird. Der eine verdirbt den anderen für die Umwelt und so ist es bei Nigel geschehen.
Aber ich greife der Geschichte vorweg. Kurz und knapp: Ein schlacksiges Mädchen, das im Alter von 10 Jahren noch nicht – welch ein Wunder – den Schönheitsidealen entspricht, verliebt sich in einen Mann, der neun Jahre älter ist. Er ist eigentlich nur freundlich und will die Kleine aufmuntern, die Opfer kindlicher Gemeinheit geworden ist. Er empfiehlt ihr, Tagebuch zu schreiben, um als Erwachsene die Kindheit Revue passieren lassen zu können. Sie macht es und hält es tatsächlich durch. Der erste Satz in diesem Tagebuch hatte mich damals sehr ergriffen, nachdem ich das Buch zuende gelesen hatte, da dieser eine Satz das gesamte Leben der unscheinbaren Miranda geprägt hat. “Heute habe ich mich verliebt.” Und von diesem Verliebtsein ist Miranda nicht abgerückt.
Während Miranda mit zehn Jahren natürlich keine geeignete Braut für den großen Bruder ihrer besten Freundin Olivia Bevelstoke ist, will letztere sie einige Jahre später mit ihrem Zwillingsbruder Winston Bevelstoke zusammenbringen. Zum einen ist Olivia der festen Überzeugung, dass Miranda und Winston gut zusammenpassen, und zum anderen wünscht sie sich die beste Freundin als Schwester. Miranda ist in der Familie von Lord und Lady Rudland fast schon ein viertes Kind. Sie gehört zur Familie, was schon allein dadurch bedingt wird, dass Miranda zwar liebende Eltern hat, sich diese jedoch eher um die eigenen Interessen kümmern. Mirandas Mutter ist sehr häufig in Schottland bei den eigenen Eltern und Mirandas Vater ist meistens in seine Arbeit vertieft. Er übersetzt antike Texte. So hat Miranda durch den Vater einen ziemlichen Vorsprung in Sachen Intellekt gegenüber Gleichaltrigen. Sie wirkt besänftigend und zügelnd auf die eher lebhafte, sehr hübsche Olivia ein, die sich selten Gedanken darüber macht, was sie sagt. Sie beleidigt schon mal, ohne an die Konsequenzen zu denken.Während Miranda so etwas natürlich nicht passiert. Es sei denn, es geht um wirklich wichtige Dinge, wie Bücher oder ums Prinzip.
Turner, oder eigentlich Nigel, ist da ganz anders. Er war ein wunderbarer Mensch, warmherzig und leicht ironisch, bis er seine erste Frau kennenlernte und sich in sie verliebte. Rasch wurde deutlich, dass sie ein mit Menschenhaut überzogener Teufel ist. Selbstverliebt und manipulierend. Jeder ist erleichtert, als sie stirbt und dennoch schwebt ihr Schatten wie ein Fluch über Nigel. Bis er Miranda als Frau wahrnimmt. Sie ist so anders als Letitia und dennoch … kann er etwa mit der besten Freundin seiner kleinen Schwester, die für ihn beinahe selbst wie eine Schwester ist, glücklich werden?
Heute kann ich sagen, dass das Buch kurzweilig war und … nun … ein Buch, das ich verschlungen habe. Allerdings muss ich negativ anmerken, dass ich es besser gefunden hätte, wenn der eine oder andere Konfliktpunkt weniger im Buch gewesen wäre. So waren ein paar Kontroversen zu viel. Am Ende schien mir Julia Quinn etwas zu gehetzt, nur rasch alle Konflikte auflösen.
Der zweite Band der Bevelstoke-Reihe ist “What happens in London“. Schade, dass man diesen Zusammenhang am Cover nicht sehen kann. In USA ist der dritte Band der Reihe “Ten Things I love about you” bereits erschienen. In meinem Bücherregal wird Teil 3 ab dem 8. Juni stehen. Hoffe ich zumindest.
Whistledown Anthology 1
The further Observations of Lady Whistledown

"The further Observations of Lady Whistledown"
Lady Whistledown, die Dame, die kein Blatt vor den Mund nimmt und man höre und staune, die Dinge beim Namen nennt. Personen, die es in ihr Blatt schaffen, haben eines ganz gewiss: Die Aufmerksamkeit der Gesellschaft. In den acht Büchern, die sich mit der Familie Bridgerton befassen, ist eines ganz klar: Die Gesellschaft besteht aus mehr, als den Bridgerton-Geschwistern. Wer alles noch im Whistledown auftaucht und was sich hinter den einzelnen Geschichten verbirgt, hat Julia Quinn in Gemeinschaft mit drei anderen Autorinnen zu Papier gebracht und in zwei Anthologien gebracht.
Widmen wir uns erst der einen, die unter dem Titel: The further Observations of Lady Whistledown erschienen ist. Leider nicht auf Deutsch, aber in einem gefälligen Englisch verfasst.
Die Familie Bridgerton, jene fiktive Großfamilie aus den besten Londoner Kreisen, erfreut sich äußerster Beliebtheit. Dass die Klatschkolumnistin, Lady Whistledown, sich ebensolcher Beliebtheit erfreut, hätte Julia Quinn sich wohl nicht träumen lassen. Sie wusste, wie ich aus einem Interview weiß – natürlich haben dieses andere geführt, ich nicht – selbst nicht, wer von ihren Charakteren hinter der geheimnisvollen Lady Whistledown steckt. Im vierten Teil ihrer Oktologie – gibt es dieses Wort überhaupt? – bzw. ihrer achtbändigen Romanreihe lüftet sie das Geheimnis um die junge Dame.
Doch darum geht es hier nicht. Die erste dieser Anthologien ist zum Valentinstag erschienen. Julia Quinn, Suzanne Enoch, Karen Hawkins und Mia Ryan haben ein Potpourri an romantischen Geschichten zum Valentinstag zusammengestellt. Vier Geschichten erzählen, wie vier Pärchen zueinander finden, unter den aufmerksamen Blicken der Klatschkolumnistin.
One True Love
Die erste Geschichte „One true love“ wurde von Suzanne Enoch verfasst.
Eine arrangierte Ehe droht in die Brüche zu gehen, nur weil der junge Mann, Maximilian Trent, Marquis of Halfurst, es neunzehn Jahre lang nicht für nötig gehalten hat, mit seiner Verlobten zu korrespondieren. Er ist sieben Jahre älter als sie und als sie in der Wiege lag, verlobten die Väter beide Kinder. Es ist verständlich, dass er sich für ein Küken wie sie nicht interessierte und ihr nicht schrieb. Was soll ein 14jähriger einer 7jährigen schreiben? Was kann ein 21jähriger Interessantes einer 14jährigen anvertrauen? Es gibt genügend Gründe, warum er schwieg. Doch man kann auch sie sehr gut verstehen, schließlich ist für eine Frau nichts schlimmer, als von dem zukünftigen Gatten ignoriert zu werden. Das geht gar nicht. Dann sind auch negative Gerüchte über ihren Zukünftigen in Umlauf. So soll er nur an ihrem Vermögen interessiert sein, da er keinen Penny in der Tasche hätte. Gerüchte und „Intrigen“ jedoch in einem erträglichen Maß. Dass sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst, liegt im Genre begründet.
Die gesamte Geschichte erscheint mir dennoch eher konstruiert. Man spürt in jedem Absatz, dass die Logik keine Stärke der Geschichte ist. Jeder Mensch, der ein wenig rational zu denken imstande ist, hätte anders reagiert als Lady Anne Bishop. Jeder hätte die Frage gestellt, ob etwas Wahres an den Gerüchten wäre. Doch Anne schaltet komplett auf stur und reagiert wie ein verwöhntes Balg, dem alles andere schaden würde, nur eine Tracht Prügel nicht.
Wie dem auch sei. Am Ende ist Friede, Freude, Eierkuchen.
Two Hearts
Die zweite Geschichte „Two Hearts“ stammt aus der Feder von Karen Hawkings und ist schon ein anderes Kaliber. Wir begegnen zwei Personen, die bei Suzanne Enoch bereits am Rande aufgetaucht sind. Da sind Sir Royce Pemberley und Miss Liza Pritchard. Beide sind nicht mehr wirklich jung zu nennen. Sir Royce ist 39 Jahre und wohl das, was man einen Bonvivant nennt. Miss Pritchard ist bereits 31 und unverheiratet. Eine vermögende alte Jungfer, mit deren Spleens und modische Geschmacklosigkeiten sich die Gesellschaft schon lange abgefunden hat. Wenn man eine Sache auf zweierlei Art erledigen kann, dann findet Miss Pritchard eine dritte. Beide, Royce und Liza, kennen sich seit 21 Jahren und sind seit geraumer Zeit auch sehr eng befreundet. Sie weiß alles über seine Liebschaften und er hat keine Hemmungen, sie zu necken und ihr auch wirklich alles über Affären zu erzählen. Ihr Verhältnis scheint perfekt, doch dann will Miss Pritchard heiraten. Sie hat ein Leben in Einsamkeit satt. Der Mann allerdings, den sie sich zum Zukünftigen erwählt hat, passt so rein gar nicht zu ihr. Royce schließlich ist gar nicht damit einverstanden, dass Liza heiratet, denn ein Leben ohne sie kann er sich nicht vorstellen.
Während der Leser bereits beim ersten persönlichen Auftauchen ihres Auserwählten Bescheid weiß, dass er entweder nichts Gutes im Schilde führt oder zumindest nicht gut für die Hauptheldin ist, dauert es bei Miss Pritchard erfahrungsgemäß länger. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt zu heiraten, sie hat ihren Zukünftigen ausgewählt – mit Unterstützung einer ältlichen Verwandten – und sie will den Plan auch durchführen. Dass sie bereits zweifelt und sich fragt, was sie außerhalb der Großstadt eigentlich machen will, was aus ihrer wirren, aber gemütlichen Einrichtung wird, welches Schicksal ihren Affen treffen wird … nun, der Leser zweifelt gemeinsam mit Sir Royce am Gelingen des Plans.
Ja, diese Geschichte ist anders. Sie ist … nun … skurril wäre ein wenig zu hart. Sie ist … anders. Um Gottes Willen, sie ist definitiv nicht schlecht. Doch mir persönlich fehlte der kleine berühmte Funken, der einer Geschichte ihre Faszination gibt. Wahrscheinlich kommt zu vieles auf einmal. Miss Pritchard ist mir schon wieder zu schrullig. Sie hat mir einen Hauch zu viele Spleens, um noch wirklich glaubhaft zu sein. Und ehrlich gesagt ist mir Sir Royce auch zu perfekt. In einem romantischen Roman ist kein perfekter Gentleman – galant, gut aussehend, wohl erzogen, edel etc. – mit 39 Jahren noch unverheiratet. Entweder ist er Witwer oder aber er hat eine saftige Macke, deren Grund Enttäuschung ist oder ein „Kindheits“-Trauma oder aber er ist hässlich oder auffallend dämlich, was ihn daran hindert die richtige Dame zu finden. Wie gesagt, zu viel zu viel zu viel.
Die beiden anderen Geschichte, stelle ich demnächst vor.
Bridgerton Band 4
Penelopes pikantes Geheimnis

"Julia Quinn: "Penelopes pikantes Geheimnis"
Penelope Featherington ist das, was man ein klassisches Mauerbümchen nennt. Sie steht am Rand der Gesellschaft, obwohl ihr Vater ein Gentleman war und ihre Mutter im Ton durchaus ihren Platz hat. Ihre Schwestern, drei an der Zahl, von denen zwei älter sind als sie, sind keine Schönheiten. Sie sind auch nicht gewitzt und erobern den Ton im Sturm, doch haben sie nach mehreren Saisons ihren Ehemann gefunden. Nun möchte Penelope keinen ihrer Schwäger als Ehemann geschenkt haben. Sie hat ihr Herz vor Jahren an einen Mann verloren, der in ihr nie die Frau wahrnehmen wird, die sie sein kann. Zumindest denkt sie das. Jeder, der sich die Mühe gemacht hat, Penelope näher kennen zu lernen, weiß, dass sie witzig ist, charmant sein kann, intelligent ist und über einen beißen Humor verfügt, wenn sie denn in die Situation kommt, diesen spielen zu lassen. Doch Penelope ist schüchtern und nagt zudem an dem schlechten Start, den ihre erste Saison genommen hat. Sie hatte 25 Pfund zu viel auf den Rippen, litt unter Pickeln und fühlte sich mehr als unwohl in ihrer Haut, zu letzterem Gefühl trugen auch noch die Kleider und Farben bei, die ihre Mutter ihr aussuchte und die allesamt so gar nicht ihrem Typ schmeichelten. Im Gegenteil: Sie betonten genau die Schwächen, die Penelope am meisten an sich hasste. Sie hat gelernt, damit umzugehen und sie hat sich damit abgefunden, dass Colin Bridgerton niemals etwas anderes in ihr sehen wird, als die pummelige Penelope, die als Mauerblümchen am Rand der Tanzfläche steht und so tut, als würde es ihr gar nichts ausmachen, von den Männern gemieden zu werden. Oder?
Colin Bridgerton hat seinerseits ein Problem. Er weiß nichts mit seinem Leben anzufangen. Er zweifelt. Verzweifelt und bezweifelt, dass er der Welt nach seinem Ableben in keiner Erinnerungen bleiben wird, als nur in Form eines Charmeurs, der den Hauptpart in Lady Whistledowns Kolumne einnimmt. Er will mehr vom Leben. Er reist durch die Welt, lernt fremde Orte und Menschen kennen und er hat eine Gabe, die er nicht wirklich zu schätzen weiß: Er kann schreiben.
Ein wenig schwach scheinen diese Zweifel, da der gute Colin in den anderen Bänden als selbstsicher und mit sich und der Welt im Reinen herüberkam. Doch als er nach einer weiteren langen Reise wieder nach London zurückkehrt, hat sich so einiges verändert. Nicht nur er, sondern auch Penelope. Und ohne dass er es hat kommen sehen, haben sich seine Gefühle für sie geändert. Es kam schleichend und unbemerkt, doch mit einem Mal erkennt er, das Penelope mehr ist, als die beste Freundin seiner Schwester Eloise, sondern auch eine liebenswerte Frau. Doch über allem schweben zwei Probleme: Zum einen, was soll er mit seinem Leben anfangen, um ein Lebenswerk zu hinterlassen, und zum anderen, war hat Lady Danbury dazu bewogen, die schreckliche Langeweile, unter der der Ton litt, mit einer törichten Wette zu beenden? Der gesamte Ton jagt nach Lady Whistledown und die Klatschkolumnisten zieht daraus ihre Konsequenzen: Sie hört mit dem Schreiben auf, doch damit beginnen die Probleme erst.
Fazit
Colin erscheint wie ein anderer Mann, was zweierlei bedeuten kann. Entweder hat Julia Quinn sich der Ausarbeitung dieses Charakters erst akribisch gewidmet, als sie Band 4 schrieb, oder aber sie hat uns als Leser das Bild eines Colin vorgegaukelt, das der Ton von ihm hat. Der liebenswert charmante Frauenheld, der selbst mit einem Mord durchkommen würde, wenn er denn sein Geständnis in sein süßes Lächeln verpacken würde. Penelope hingegen wird zur starken Frau, ohne sich weit von den Ansätzen ihres Charakters zu entfernen. Sie ist nach wie vor unsicher und nach wie vor stellt sie ihr Licht unter den Scheffel, doch einem Schmetterling gleich entfaltet sie sich und wird wirklich flügge. Anders Colin, nun, natürlich bleibt der Mann, der er war, doch die Selbstzweifel und die Unruhe, nehmen doch ein wenig überhand. Ich möchte das Buch nicht schlecht reden, um Himmels Willen, doch wie schon bei Band 2 muss auch hier eingeräumt werden, dass die Erwartungen extrem hoch sind.
Wer taucht noch in dem Buch auf? Achja, wir lernen endlich Felicity Featherington ein wenig näher kennen und auch Hyazinth. Sogar Eloise wird ein wenig vertrauter, man sollte auch sie achten, denn Eloise hat auch das eine oder andere Geheimnis. Wir begegnen wieder Nigel Berbrooke und der böswilligen Cressida Cowper, die mittlerweile verwitwet ist und in Geldnot steckt. Jeder bekommt, was er verdient, nicht wahr?
Wer Lady Whistledown ist, wird nicht verraten. Der aufmerksame Leser wird es allerdings bereits wissen. Nur eines soll hier erwähnt werden, dieser Band ist der letzte, den ihre Kommentare amüsant begleiten. Wer mehr von ihr lesen und wissen will, der muss sich an die beiden Anthologien halten, deren Vorstellung die nächsten Artikel beinhalten werden.
Damit möchte ich die Vorstellung der Reihe erst einmal beenden. Noch sind die vier letzten Bände in der neuen Edition nicht erschienen und daher wird deren Vorstellung noch so lange warten müssen, bis sie auf dem Markt sind.
Bridgerton Band 3
Wie verzaubert man einen Lord?

"Julia Quinn: "Wie verzaubert man einen Lord?"
Ursprünglich erschien dieser Band unter dem Titel: “Zauber einer Ballnacht”, doch die neue Edition nennt “Wie verzaubert man einen Lord?”. Ob nun eine Ballnacht oder der Zauber der sprichwörtlichen Liebe auf den ersten Blick … nun, es ist irrelevant.
Benedict Bridgerton soll in diesem Band sein Glück finden und er strengt sich wirklich an. Sehr sogar. Daphne ist mit Simon seit zwei Jahren verheiratet und Anthony mit seiner Kate seit einem Jahr. Während Anthony und Kate sich endlich dazu entschließen, nach Bridgerton House umzusiedeln, feiert Violet Bridgerton dieses Ereignis mit einem letzten großen Fest in Bridgerton House, mit einem großen Maskenball. Natürlich nimmt Benedict an diesem Teil, schließlich ist es seine Pflicht. Wie vom Schlag ist er getroffen, als ihm im Ballsaal eine unbekannte schöne Dame über den Weg läuft. Sie steckt hinter einer Maske und dennoch weiß er genau, dass er sie noch nie zuvor gesehen hat. Sie scheint so anders, als gehöre sie nicht dazu und dennoch weiß Benedict, dass sie wie für ihn gemacht ist.
Er verbringt mit ihr den Abend und als es Mitternacht schlägt, die Stunde der Enttarnung, ist sie wie von Geisterhand verschwunden. Benedict sucht nach der schönen Unbekannten, doch kann er sie nicht finden. Wie auch? Sie hat London tatsächlich den Rücken gekehrt und sich auf das Land begeben.
Sophie Beckett ist ein uneheliches Kind. Nun ist sie zwar das uneheliche Kind eines Earls, doch das tut der Unredlichkeit ihrer Herkunft keinen Abbruch. Sie wächst als Mündel des eigenen Vaters auf und findet sich damit ab, von ihrem Vater in der Regel ignoriert zu werden. Das ändert sich auch nicht, als dieser sich dazu entschließt, eine Witwe zu ehelichen, die ihrerseits zwei Töchter in die Ehe bringt. Aramintha bemerkt sehr schnell, was die Uhr geschlagen hat und da der Earl zu seinem Fehltritt steht, Sophie wie eine Dame erziehen lässt, ist das Mädchen der Frau ein Dorn im Auge. Der Earl stirbt jedoch unvermutet nach vierjähriger Ehe und lässt Sophie in den Klauen ihrer raffgierigen “Stiefmutter” zurück. Fortan ändert sich für das Mädchen alles. Vorbei ist die Zeit des Unterrichts und vorbei die Zeit der schönen Kleider. Sie wird zur Zofe und darüber hinaus zum Fußabtreter ihrer “Stiefmutter” und ihrer älteren Stiefschwester Rosamund. Die einzige, außer der Dienerschaft, die nett zu ihr ist, ist die gleichaltrige Posy. Sophie ist 21 Jahre, als sie das Haus der Stiefmutter verlassen muss, einen Tag nach den Ball bei den Bridgertons.
Zwei Jahre Später hat das Schicksal seine Hände im Spiel, als Sophie und Benedict sich wiedersehen. Benedict erkennt Sophie nicht wieder, doch sein Herz pocht ähnlich stark wie damals, als er die Unbekannte im Ballsaal der Mutter bemerkte. Diese Schönheit hat er verloren, doch mit Sophie soll ihm das nicht passieren. Er geht so weit, dass er der jungen Frau ein unmorlisches Angebot macht. Sie soll seine Geliebte werden, denn die Heirat mit einem Dienstmädchen ist ausgeschlossen. Aber Sophie denkt gar nicht daran, die gleichen Fehler zu machen, die ihre Mutter in den Ruin trieben. Sie wird keinem Bankert das Leben schenken. Eher will sie auf die Liebe verzichten.
Fazit
Eine weitere Cinderella-Geschichte. Ich kann mir nicht helfen, aber von dem Cinderella-Motiv bekomme ich einfach nicht genug. Ich liebe beinahe alle Fassungen der Geschichte und diese hier macht keine Ausnahme. Wieder lernen wir ein wenig mehr über die Familie Bridgerton. Eine weitere Facette von Benedict, der bislang nur als der größte der attraktiven Bridgerton-Brüder in Erscheinung getreten ist und über den wir wissen, dass er einst die Puppe seine Schwester Daphne geköpft hat. In den vorherigen Bänden kam mir Benedict ein wenig blass vor, es fehlte ihm ein wenig an Profil, doch dieses bekommt er in der Geschichte durchaus. Er lebt sein eigenes Leben, hat sein eigenes kleines Reich, in dem er durchaus glücklich und zufrieden ist. Er sucht die Einsamkeit zwar nicht, doch ist er mit ihr auch durchaus zufrieden. Benedict entpuppt sich als Künstler.
Wiederum erscheint Violet als der Fels in der Brandung. Sie hat mehr Qualitäten, als gedacht. Sie weiß, dass Benedict für die kleine Zofe, die er mit ins Haus bringt, mehr empfindet. Aber denkt auch an ein Morgen. Was wird aus dem Jungen, wenn er tatsächlich eine Mesalliance eingeht? Wir er seine Frau das irgendwann vorwerfen? Sein Glück liegt ihm am Herzen. Sie mag das Mädchen und möchte, dass diesem kein Leid zugefügt wird. Doch ist eine Ehe mit einem Gentleman des Tons nicht hoffnungslos für eine Frau, die so weit in der Gesellschaft unter ihnen steht? Rätsel über die Rätsel, deren Auflösung allein bei Sophie liegt. Natürlich wird am Ende alles gut und löst sich in Wohlgefallen auf.
Ich hatte viel Spaß bei dem Buch und habe es auch jetzt noch. Cinderella hat eben immer seinen Zauber, egal ob in einer Ballnacht, bei den Grimms oder in der Fassung vor Julia Quinn.
Abgesehen davon: Die unbekannte Schöne ist eines der wenigen Rätsel, die Lady Whistledown nicht hat lösen können.
Personen am Rande sind: Aramintha Gunningworth, ihre Töchter Rosamund und Posy Reiling. Selbstredend tauchen auch einige Bridgertons dort auf. So Colin, Eloise, Francesca, Hyazinth und Daphne. Und unsere liebe Penelope Featherington, die sich neben Violet Bridgerton immer mehr zur lieb gewonnenen Figur mausert.
Im nächsten Artikel widmen wir uns dann Colin.
Bridgerton Band 2
Wie bezaubert man einen Viscount?

Julia Quinn: "Wie bezaubert man einen Viscount?"
Als Anthony vom Reiten nach Hause kommt, ist sein Vater tot. Das nagt schwer an ihm. Mit gerade einmal 18 Jahren lastet die gesamte Verantwortung für eine Großfamilie, bestehend aus sechs Geschwistern und einer hochschwangeren Mutter, das gesamte Vermögen und das Gut auf seinen Schultern. Anthony hält eine Nacht lang Wache am Totenbett seines Vaters und als der Morgen anbricht, weiß er, dass er seinen Vater niemals wird übertreffen können, auch nicht an Jahren. So ist Anthony der festen Überzeugung, im Alter 38 Jahren zu sterben.
Im Alter von 29 Jahren ist Anthony zur Überzeugung gelangt, die letzte Hürde in seiner Verantwortung zu übernehmen und für die Nachfolge zu sorgen. Er will heiraten. Doch hat er ganz bestimmte Anforderungen an seine Zukünftige. Zum einen soll sie schön und tugendsam sein, aber auch intelligent und liebreizend. Doch da Wichtigste ist, es muss eine Frau sein, in die er sich niemals verlieben würde. Er will sich nicht verlieben und dann in der Gewissheit sterben, dass sie so wie seine Mutter zurückbleibt, deren einziger Halt im Leben nach dem Tod ihres geliebten Edmunds ihre Kinder waren. Er muss sich sicher sein, dass auch sie sich nie in ihn verlieben würde. Einander schätzen und in Freundschaft zugetan sein, ja, aber keine Liebe.
Seine Außerwählte soll keine geringere als der Stern des diesjährigen Londoner Ton sein, der Diamant schlechthin: die reizende Edwina Sheffield. Bildhübsch, intelligent, liebreich, sanft, charmant, elegant und geschickt. Sie passt hervorragend ins Bild, das Anthony von seiner zukünftigen Viscountess hat. Doch dem zukünftigen Glück steht Edwinas ältere Halbschwester Kate Sheffield im Wege. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn Edwina will nur mit Erlaubnis der Schwester heiraten und Kate denkt gar nicht daran, den Viscount in der Nähe ihrer Schwester zu dulden. Schließlich steht Anthony im Ruf, ein Frauenheld zu sein. Durch und durch. Kate will einfach nicht, dass Edwinas liebes Herz in Mitleidenschaft gezogen wird. Edwina soll glücklich werden und Kate ist der festen Überzeugung, dass dies mit dem Viscount nicht geschehen wird.
Auch Anthony sieht seinen schönen Plan in Gefahr, denn es geschieht, was er nicht beabsichtigt hatte: Er verliebt sich. Aber nicht etwa in die schöne Edwina, sondern in deren robuste, resolute Schwester. Doch bevor er es sich eingesteht und auch Kate erkennt, mit Anthony das wahre Glück gefunden zu haben, müssen sich beide ihren Ängsten stellen. Denn auch Kate bedrückt eine schreckliche Erfahrung, die sie seit ihrer frühsten Jugend mit sich herumträgt.
Mit Edwina und Kate Sheffield kommen zwei Damen ins Spiel, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Sie erinnern ein wenig an die Schwestern aus “Der Widerspenstigen Zähmung”, nur das die Option fehlt, dass Kate oder Katherina als erste verheiratet sein muss. Vom Wesen her erscheint Kate durchaus als die Widerspenstige, die sich verbale Gefechte mit Anthony (Petruchio) liefert und am Ende doch in seine Arme sinkt. Die Ähnlichkeit ist allerdings so weit hergeholt, dass sie mir erst jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, aufgefallen ist. Was das Faszinierende an Kate und Anthony ist, beide sind gar nicht so verschieden. Sie opfern sich für ihre Familie auf, sie lieben sie und versuchen für sie stark zu sein. Niemand darf wissen, dass sie ihre Schwächen haben. Während Kate den starken Part abgibt, ist Edwina der schwache Part und dennoch steckt in ihr mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Sie ist sich durchaus darüber im Klaren, wie schwer die Last auf ihren Schultern ist. Sie muss heiraten, um die Zukunft der Mutter und der Schwester zu sichern. Sie hat ihre Vorstellungen von dem Mann, den sie einst lieben wird und steckt diese bis zum Schluss zurück. Erst, als Edwina weiß, dass die Last von ihr genommen wurde, kann sie aufatmen und endlich einmal an sich denken. Zu diesem Moment wird auch Kate erst klar, unter welchem Druck die geliebte Schwester stand. Armenhaus oder reiche Heirat.
Man lernt in diesem Buch auch drei weitere Charaktere etwas näher kennen, von denen zwei im Verlauf der gesamten Geschichte noch von tragender Bedeutung sein werden: Penelope Featherington, Cressida Crowper und der dritte im Bunde: Nigel Berbrooke. Nigel und Penelope sind uns bereits in Band 1 begegnet und das ist das Liebenswerte an Julia Quinns Büchern, auch die Neben-Personen haben Charakter und verkommen nicht zur einfachen Staffage.
Fazit
Es fehlt ein wenig der Esprit, den das erste Buch hatte. Allerdings wurden die Erwartungen durch dieses erste Buch auch in ungeahnte Höhe getrieben, sodass der zweite Band nur schwächer erscheinen kann. Man verstehe mich bitte nicht falsch. Es ist ein sehr schöner und auch amüsanter Roman, doch das kleine Quäntchen “je ne sais quoi” von Band 1 fehlt. Dennoch mehr als lesenswert und bald geht es weiter mit Band 3.
Bridgerton Band 1
Wie erobert man einen Duke?

Julia Quinn: "Wie erobert man einen Duke?"
Als Simon Basset, der neue Duke of Hastings, nach London zurückkehrt, glaubt er, sich von den gesellschaftlichen Veranstaltungen fernhalten zu können. Doch schon bald merkt er, dass es nicht geht. Er hat Freunde, die er lange nicht gesehen hat, die ihn einladen und er will sie nicht vor den Kopf stoßen. So nimmt Simon wohl oder übel am gesellschaftlichen Leben des Londoner Tons teil. Dort lernt er die bezaubernde Daphne kennen und findet sie hinreißend. Als er erkennt, dass sie die Schwester seines besten Freundes ist, weiß er, dass sie für ihn tabu ist. Das hindert ihn allerdings nicht daran, sich auf ein gefährliches Spiel mit ihr einzulassen. Und gefährlich ist es im übertragenen Sinne wirklich. Daphne, die unbedingt heiraten will, erweckt in den meisten Männern nur freundschaftliche Gefühle, was zum größten Teil daran liegt, dass ihre drei älteren Brüder – allesamt attraktiv und athletisch gebaut – recht einschüchternd auf die meisten Verehrer wirken.
Simon, der nicht heiraten will und schon gar nicht einer der jungen Debütantinnen den Hof zu machen gedenkt, erhofft sich von dieser Charade, dass die heiratswütigen Mütter ihn für nicht erstrebenswert halten. So schlägt er Daphne vor, so zu tun, als würde er sie hofieren. Die Männer würden beginnen sich für sie zu interessieren, wenn er sich für sie interessiere und die Frauen würden ihn ad acta legen, da er sich ja schon entschieden hätte. Daphne, die den Ton wesentlich länger kennt, weiß, dass das nur in eine Richtung, in ihre funktionieren wird und es funktioniert tatsächlich. Allerdings haben beide nicht damit gerechnet, dass ihre Charade eine unerwünschte Nebenwirkung hat: Sie verlieben sich.
Damit erscheint alles wie Friede, Freude und Eierkuchen, doch die eigentlichen Probleme beginnen erst. Daphne, die sich eine große Familie wünscht, erfährt von Simon, dass er keine Kinder haben kann. …
Simon Basset ist der erste Hauptheld, der nicht zur Familie der Bridgerton gehört. Er ist ein Wunschkind und als solches eine Enttäuschung für seinen Vater, den Duke of Hastings. Simon, der erst spät sprechen lernt und dann auch nur stottert, wird vom alten Duke als Versager und Idiot abgestempelt. Doch Simon ist stark, es gelingt ihm – angetrieben von der Wut auf seinen Vater – seine Schwäche zu bekämpfen und sich mit ihr zu arrangieren. Er lernt sprechen und das Stottern zu überspielen. Nur hin und wieder passiert es noch, dass er über die Worte strauchelt und auch dann weiß er es zu kaschieren. Simon geht nach Eton und zur Universität und nimmt dann seinen Platz in der Gesellschaft ein. Sein bester Freund, Anthony Bridgerton, ist ihm hier eine große Hilfe. Doch es kommt, wie es kommen muss. Simon begegnet seinem Vater auf gesellschaftlichem Parkett. Der alte Duke ist endlich dazu bereit, ihn als Sohn anzuerkennen, doch Simon ist zu wütend. Er verlässt das Land und geht auf Reisen. Erst nach dem Tod seines Vaters betritt er wieder englischen Boden und muss er kennen, dass sein Vater zwar tot ist, dessen Gegenwart dennoch wie ein böses Omen über ihm schwebt. Der Hass und die Wut auf den hartherzigen Mann verhindern beinahe, dass er das Glück in den Armen der Frau findet, die er liebt und die ihn liebt.
Simon ist ein starker Charakter, der seine Schwächen und seine Fehler hat und dennoch stark und sicher herüberkommt.
Fazit
Über dieses Buch bin ich auf Julia Quinn erst so richtig aufmerksam geworden. Amüsante Dialog, die Liebe zum Detail und vor allem die schönen Charakterstudien, die dieses Buch offenbaren, hatten es mir von der ersten Seite an angetan. Es ist ein Buch, das ich immer wieder gerne lese, ob es nun die amüsanten Kommentare einer Lady Whistledown sind oder die neckenden Kabbeleien unter den Geschwistern, die resolut wirkende Lady Bridgerton, die ihre Söhne, obwohl sie mindestens anderthalb Köpfe größer sind als sie, nach wie vor fest im Griff hat und geschickt zu manipulieren versteht. Selbst die Charaktere, die drumherum erscheinen, sind mehr als bloße Staffage. Man will sie nicht nur näher kennenlernen, sondern weiß auch und vermutet nicht nur, dass auch sie interessant sein können. Ein schönes Buch, ein schöner Roman, der beim ersten Lesen schon Lust auf mehr machte und dieses Mehr kam mit Band 2: “Wie verzaubert man einen Viscount?”